Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie teilt auf seiner Homepage mit, dass die Europäische Union Handelsabkommen mit mehr als 30 Ländern unterhält. Einige der Abkommen bestehen seit den 1970er-Jahren. Um globale Handelsbeziehungen zu erleichtern, kommen regelmäßig neue Vereinbarungen hinzu. Die Liste wird ständig aktualisiert und um die jüngsten Abschlüsse ergänzt. Dazu zählen:
- Februar 2019: Japan-EU Free Trade Agreement JEFTA als Investitionsschutzabkommen und Handelsabkommen mit Japan
- März 2020: EU-Vietnam Free Trade Agreement EVFTA als Handelsvereinbarung zwischen der Europäischen Union und Vietnam (EV)
Die Verhandlungen über ein neues Abkommen ziehen sich unter anderem deshalb so lange hin, weil die Verhandlungspartner auch eine Einigung über die Einhaltung und den Schutz bestimmter Standards finden müssen. Vor allem die Themen Umweltschutz, Arbeitsrecht, Datenschutz und öffentliche Daseinsvorsorge werden in den verschiedenen Ländern unterschiedlich gehandhabt und müssen angepasst werden.
Welche Vorteile bieten Freihandelsabkommen?
Der Freihandel bietet Unternehmen, Verbrauchern und Staaten diese Vorteile:
- vereinfachter Austausch von Waren und Dienstleistungen
- sinkende Preise
- größere Absatzmärkte
- mehr Arbeitsplätze
- steigendes Wirtschaftswachstum
- höhere Steuereinnahmen
- internationaler Transfer von Technologie und Know-how
- Abbau von Bürokratie
- Friedenssicherung
Wenn ein Unternehmen seine Produkte zollfrei und unbürokratisch im Ausland verkaufen kann, vergrößert sich der Absatzmarkt und Umsatz und Gewinn steigen. Das sichert Arbeitsplätze und sorgt für höhere Steuereinnahmen im Heimatland. Durch die größere Produktion können die Waren sowohl im Inland als auch im Ausland günstiger angeboten werden. Davon profitieren die Verbraucher und der steigende Absatz sorgt für ein beständiges Wirtschaftswachstum.
Das Importland kommt in den Genuss neuer Technologie und neuartiger Produkte. Je mehr sich die geschäftliche Beziehung zwischen den Staaten vertieft, umso stabiler ist das Verhältnis zueinander. Die Gefahr von Auseinandersetzungen sinkt, wenn ein Land darauf angewiesen ist, bestimmte Produkte oder Rohstoffe von einem anderen Land zu erhalten. Trotz der zahlreichen Vorteile gibt es auch Kritiker des Freihandels, die auf die damit verbundenen Nachteile hinweisen.
Gibt es auch Nachteile?
Kritiker weisen vor allem auf diese Nachteile von globalen Handelsbeziehungen hin:
- Abbau von Arbeitsplätzen in weniger entwickelten Ländern
- Ausnutzung von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen
- Diebstahl von fremder Technologie und Nachahmungen
- schlechte Arbeitsbedingungen in einigen Staaten
Bei der Verhandlung über den freien Handel mit einem anderen Land müssen die Politiker sämtliche sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen bedenken und versuchen, eine Übereinstimmung zu finden. Wenn ihnen das gelingt, profitieren sowohl die Bürger als auch die Unternehmen in den einzelnen Ländern von den Vorteilen.
Wie profitieren Unternehmen vom Freihandel?
International tätige Anbieter können die offenen Märkte nutzen, um Kosten zu senken. Großbetriebe verfügen häufig über eine eigene Auslandsabteilung, die für den Versand und die Verzollung der Waren zuständig ist. Sobald ein Handelsabkommen mit dem Importland getroffen wurde, fallen die Zölle weg und auch die Bürokratie für die Logistik reduziert sich erheblich. Das führt zu weniger Zeitaufwand für den Exporteur, der dadurch Kosten spart.
Auch Importeure profitieren von offenen Märkten. Waren oder Rohstoffe können durch den Wegfall der Zollkosten und durch vereinfachte Einfuhrformalitäten günstiger und schneller eingeführt werden. Dadurch können die eigenen Produkte zügiger hergestellt und an die Käufer ausgeliefert werden. Das sorgt für mehr Kundenzufriedenheit und steigert den Umsatz. Wenn außerdem Sicherheitsstandards oder technische Anforderungen angeglichen werden, kann der Importeur mehr ausländische Produkte in seinen Bestand aufnehmen, die den deutschen Bestimmungen entsprechen. Das größere Angebot akquiriert neue Kunden und erhöht ebenfalls den Umsatz.
Welche Vorteile bieten sich für den Mittelstand?
Auch für den Mittelstand ergeben sich Vorteile, wie unter anderem die Vereinbarungen JEFTA mit Japan oder EVFTA zwischen der EU und Vietnam (EV) zeigen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind die Arbeitgeber von circa zwei Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland. Die Absatzmärkte in Asien waren für diese Unternehmen bisher kaum zu erreichen. Häufig fehlt das entsprechend ausgebildete Personal, um die aufwendigen rechtlichen und administrativen Bedingungen von Außenhandelsgeschäften zu erfüllen. Außerdem müssen die Unternehmen die Zollkosten entweder auf den Verkaufspreis aufschlagen oder von ihrem Gewinn abziehen. Aus diesem Grund war der asiatische Markt für KMU bisher nicht sehr interessant.
Das hat sich mit JEFTA und EVFTA geändert. KMU können nun zollfrei Waren aus Asien importieren oder ihre Produkte auf dem asiatischen Markt anbieten. Dabei müssen die Unternehmen aber beachten, dass nicht alle Zollabgaben mit Beginn der Handelsvereinbarung wegfallen. In der Regel ist eine stufenweise Anpassung vorgesehen, die sich über mehrere Jahre hinzieht. Häufig profitieren zunächst nur bestimmte Waren vom Zollabbau. Die Warenliste kann sich jedoch ändern und zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden. Darum sollten sich KMU regelmäßig über die laufenden Verhandlungen und neuen Beschlüsse zu offenen Märkten in aller Welt erkundigen.
Nach Abschluss eines Übereinkommens und dem Wegfall von Handelsbeschränkungen sollten KMU die Chance nutzen, neue Absatzmärkte in Asien oder Übersee zu erkunden. Mit einem erfahrenen Logistikpartner an ihrer Seite können KMU ausländische Geschäftspartner beliefern und so Umsatz und Gewinn steigern!